Alter Artikel: In Gedenken meiner Brieftasche – Wie man aus einem Tod ein Vermögen erwirtschaftet

Folgend ein alter, wieder entdeckter Artikel…

Dass die Menschen zu Gunsten ihres eigenen Glückes vor fast nichts zurück schrecken, wird uns immer wieder ins Gedächtnis gerufen. Die Presse zerreißt das Leben anderer, bei eifrigen Verkäufern wird der unsittliche Instinkt geweckt und nicht zu vergessen sind die, um die es überhaupt geht. Ein gutes Beispiel ist hier der Tod eines Stars, man nehme Michael Jackson. Das Internet bricht unter Verschwörungstheorien zusammen, die Medien holen die abwegigsten Geschichten hervor und die Familie mitsamt den Wirtschaftskreativen haben Dollarzeichen in den Augen.

Ein großer Teil der Weltbevölkerung hängt an der Medienwelt und schluckt jeglichen Merchandising-Artikel, den sie zu Lesen bekommen.

25. Juni 2009 – Michael Jackson stirbt. Die Welt ist geschockt. Jegliches Medium berichtet im Übermaß von der Nachricht. In den nächsten Tagen werden Filme und Sendungen verschoben, um „Specials“ anzubieten, die dem Leben des „erfolgreichsten Unterhaltungskünstlers aller Zeiten“ gewidmet sind, Schnell wird hier auch ein Mord in Erwägung gezogen. Der Großteil der Charts weltweit wird schnell von Alben und Singles Jacksons dominiert. Mit über vier Millionen Platten, neben Mozart einer der erfolgreichsten musikalischen Künstler, die posthum verkauften. Die Radiostationen spielen durchgehend seine Songs und die in vier Stunden verkauften Konzerttickets, 750.000 an der Zahl, sind nun überwiegend wertlos. Man fragt sich, ob er seine groß angekündigten Konzerte überhaupt hätte geben können. Es wird über das Sorgerecht für Jacksons Kinder gestritten, sein Vater suhlt sich im Rampenlicht und hofft auf das große Geld. Die leiblichen Eltern der Kinder werden gesucht. Bei einer Verabschiedungsshow wird die Tochter in den Vordergrund geholt, 750.000 Menschen weltweit schauen zu. Die Frage, wo seine Beerdigung stattfinden könnte ist noch immer nicht geklärt, die Neverland-Ranch nur eine Idee. Mit Filmaufnahmen der Konzertproben zeigt der Veranstalter, wie fit Jackson doch körperlich war. Mit unzähligen Stunden Material für einige Live-DVDs entgeht der Veranstalter dem Bankrott. Langsam rückt sein Leibarzt immer mehr in Bedrängnis, ein Mord wird immer wahrscheinlicher. Jackson soll mit einem suchtfördernden Medizincocktail bei Kräften gehalten worden sein. Todesbettfotos kursieren und ein neues Kind wird entdeckt. Die sonst immer wieder zitierten Vorwürfe wegen Kindesmissbrauch sind vergessen, ein neuer Held ist entstanden.

Hinter all dem steht Geld. Eine unglaubliche Menge Geld. Nur wenige Wochen nach seinem Tod werden Bücher über das Leben und über den Tod veröffentlicht. Als ob eifrige Autoren die Bücher, bis auf das letzte Kapitel, schon vor Jahren fertiggestellt hätten. Die Internetshops verzeichnen einen Ansturm auf alles, worauf der Name Michael Jackson steht – ein lukrativer Handel mit CDs und „persönlichen“ Andenken. Auf der Forbes-Liste der „reichsten toten Prominenten“ ist Elvis bald geschlagen. Die vermutlichen Erben reiben sich zum Teil bereits die Hände um diesen finanziellen Pluspunkt. Die Frage, ob Jackson nicht doch noch Schulden haben könnte wird von der Familie dementiert und sein Vater nutzt öffentliche Stellungnahmen als Werbefläche. Michael Jackson-Specials im TV halten die größten Marktanteile inne. Jedem, dem die Möglichkeit gegeben ist, Geld aus dem Tod einem der beliebtesten Musiker zu ziehen, tut es.

Auch wenn Jackson in dem letzten Jahrzehnt nicht mehr unbedingt musikalisch auf sich aufmerksam machte, bleibt er als „King of Pop“ in den Köpfen der Menschen, nicht zuletzt nach den Rekorden posthum. Schnell kommt jetzt auch eine Verdrossenheit bei manchen auf, es herrscht keine Trauer mehr, sondern pure Ablehnung in Erinnerung an den Tod.

Nun stellt sich die Frage, ob es eine menschliche Eigenschaft ist, unsere Interessen auszubeuten, bis sie nicht mehr groß erscheinen. Jeder sollte für sich selbst entscheiden, was er denken möchte und sich nicht dem Leitbild der Verdienenden beugen.

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